Erfahrungen
beim Zelten auf dem Peloponnes 2001
„Der linke Hinterreifen ist platt!“
- und das auch noch an einem Sonntag, obwohl wir bereits am Montag um 6.00
Uhr Richtung Venedig aufbrechen wollten. So mussten wir am Montag, 11.07.2001,
vor unserem großen Start nach Griechenland noch schnell eine Autowerkstatt
im bayrischen Neuburg/Donau aufsuchen, die zum Glück trotz morgendlicher
Stunde nicht verschlafen war und innerhalb von 20 Minuten unser Problem
beseitigt hatte.
Dann ging es endlich los, an München
vorbei bis zur österreichischen Grenze (Vinettenpflicht, kann man
sich vorher z.B. beim ADAC besorgen), über den Brenner nach Italien:
Die Maut für die italienischen Autobahnen können alle mit einer
Kreditkarte direkt am Automaten bezahlt werde, alternativ geht natürlich
auch Bargeld. Trotz der Panne erreichten wir Venedig vier Stunden bevor
die Fähre losfuhr. Wer wie wir mit dem Gedanken spielt, vor Abfahrt
der Fähre noch schnell Alt-Venedig anzusehen, dem können wir
nur raten, dies nicht zu tun. Aufgrund der vielen Kanäle ist es sehr
schwer, in die City zu kommen und daher sehr zeitaufwendig.
Auf
dem Hinweg fuhren wir mit der Fähre „Erotokritos“ und auf dem Rückweg
mit der „Aretousa“. Bei beiden Fähren durfte der Beifahrer im Auto
sitzen bleiben. Es kommt auch vor, dass der Beifahrer vor dem Hineinfahren
aussteigen muss. Daher ist es ratsam, dass der Beifahrer seine Sachen bereithält,
um bei einem eventuellen „Rauswurf“ aus dem Auto nicht den ganzen Kofferraum
durchwühlen zu müssen.
Mit Isomatte und Schlafsack ausgestattet,
suchten wir uns ein lauschiges Plätzchen an Deck, wo wir die beiden
Nächte der Hinfahrt verbrachten. Die Schlafdecks, auf denen sich ein
Großteil der im Freien schlafenden Passagiere befindet, stießen
bei und wegen des enormen Schweiß- und Käsefußgestanks
auf Ablehnung. Wesentlich angenehmer fanden wir es auf den abseits liegenden
Decks. Hier passten unsere Schlafnachbarn auf unsere und wir auf deren
Gepäckstücke auf. Abends hatten wir sogar noch das seltene Vergnügen,
Delphinen beim Spielen zuzusehen. In einer Kabine sitzend wäre uns
dieses Treiben bestimmt entgangen. Da wir in der ersten Nacht sehr durchgeweht
wurden und dadurch schlecht schlafen konnten, können wir nur allen
Deckschläfern raten, sich nicht zu weit oben auf der Fähre einen
Platz zu suchen. Weiter unten ist es wesentlich geschützter. Legt
euch möglichst nah an die Schiffswand und vergesst nicht, leichte
Gegenstände zu beschweren bzw. festzubinden. Auf der Fähre gibt
es eine sehr detallierte Karte von dem Peloponnes zu kaufen (eine rote
Karte: Nr.5 Peloponnese von Road Editions 1:250.000). In dieser Karte sind
auch die Campingplätze verzeichnet. Wenn ihr eine Rundreise auf dem
Peloponnes vorhabt, dann ist diese Karte ein Pflichtkauf. Und noch ein
Tipp: nicht die kürzeste Strecke ist auch die schnellste! Die Nebenstrecken
sind nicht asphaltiert, teilweise recht eng und hin und wieder mit großen
Schlaglöchern. Beschilderung gibt es manchmal gar nicht oder nur von
einer Richtung kommend. Aber wer mehr vom Land kennen lernen möchte,
Zeit hat und nicht um sein Auto bangt, der sollte diese sehr reizvollen
Nebenstrecken fahren.
Auf der Hinfahrt hatten wir dann
schon den ersten kleinen Sonnenbrand. Wenn ihr auch im Hochsommer fahrt,
dann viel hochfaktorige Sonnencreme und eine Menge After-Sun-Lotion mitnehmen.
(billige Feuchtigkeitscreme reicht auch oder Vorort Joghurt kaufen und
einfach auf den Sonnenbrand auftragen) In Griechenland sollte man seine
Unternehmungen stets für den Morgen und den Abend planen. Mittags
hängt man nur sehr träge herum und kann bzw. will sich kaum rühren.
Ohne Sonnenschirm am Strand ist der Aufenthalt dort sowieso „tödlich“.
Am 13.07.2001 erreichten wir endlich
Patras, von wo aus wir mit dem Auto auf der E55 nach Zacharo fuhren. Der
Campingplatz war recht leicht zu finden: gleich nach dem Ortseingang an
der Ampel (die einzige Ampel im Ort) nach rechts runter in Richtung Strand
fahren und das Meer zur Linken kurz vor einer Rechtskurve geradeaus weiter
den Campingplatz aufsuchen. Die letzten Meter bestehen allerdings aus einer
Schotterpiste. Dieser Campingplatz ist wirklich einzigartig! Er wurde vor
sieben Jahren von seinen Besitzern verlassen, kostet demzufolge auch keine
Gebühren. Die Stroh- bzw. Ziegeldächer sind noch fast komplett
und die sanitären Anlagen teilweise intakt. Das liegt aber nur daran,
dass einige Urlauber selbst Hand anlegen und reparieren, was kaputt ist.
Wem zwei Toiletten und zwei Kaltwasserduschen ausreichen und auch darum
bemüht ist, diese zu pflegen(!), kann hier sehr preiswert und direkt
am Meer campen. Dort, sowie nördlich und südlich von Zacharo,
gibt es auch den schönsten, feinsten und langgestrecktesten Strand
auf dem Peloponnes. Zum Brot kaufen braucht man morgen nicht gleich in
die Stadt zu fahren, weil täglich ein Bäcker mit seinem Auto
am eigentlich verlassenen Campingplatz Station macht.
Von Zacharo aus empfehlen wir Ausflüge
nach Olympia (ungefähr. 30 min. Fahrt, ca. 12 DM Eintritt) und zum
Schwefelsee, in dem man Schildkröten füttern und in dessen Quellen
man baden kann. Im offenen Wasser des Sees zu baden ist wegen der z.T.
giftigen Wasserschlangen nicht ratsam.
Nach
drei Nächten fuhren wir weiter nach Methoni. Während unserer
Suche nach einem geeigneten und vor allem freien Campingplatz zog es uns
zum Bullenauge, einer Bucht nördlich von Methoni. Das im Gegensatz
zum Meer recht warme Wasser bot uns eine angenehme Erfrischung, bevor wir
letztendlich über eine 5,5 km lange Schotterpiste (bergauf und ab)
den wahrscheinlich leersten Campingplatz in der ganzen Umgebung erreichten
(warum wohl?!). Dieser Campingplatz (Marathi) scheint ein Treffpunkt der
Griechen zu sein, denn viele Touristen haben wir dort nicht angetroffen.
Von diesem Platz aus haben wir keine Ausflüge unternommen, da uns
der Weg zurück zur asphaltierten Straße zu anstrengend war.
(Der Weg dorthin ist nur sehr bedingt für große Wohnmobile geeigent.)
Dafür haben wir jedoch in der anliegenden Bucht hervorragend schnorcheln
können. Bevor es uns nach drei Nächten weiter nach Githio zog,
haben wir uns auf dem Campingplatz noch reichlich mit dem besten Weißbrot
zugedeckt, daß wir während des gesamten Urlaubs gegessen haben.
Die Preise lagen bei allen Campingplätzen
für zwei Personen mit Auto und Zelt bei ca. 30 DM. Ein Zimmer sollte
ungefähr das doppelte kosten. Weiter im Inland, gibt es aber bestimmt
auch noch günstigere Übernachtungsmöchlichkeiten. Wildes
Campen ist jedoch auf der gesamten Halbinsel unter Strafe verboten.
Githio
erreichten wir über die Gebirgszüge im Innenland des Peloponnes.
Die Passstraße ist sehr gut ausgebaut. Die malerische Strecke, die
eine der schönsten der gesamten (Halb-)Insel sein soll, führte
uns vorbei an Mistras, einer alten Klosterstadt. Diese Stadt ist von drei
verschiedenen Positionen zu erreichen. Wer nicht als entfernter Verwandter
der Bergziege geboren wurde, empfehlen wir, von dem obersten Parkplatz
die Burg zu besteigen. Von dort aus kann man einen wunderschönen Blick
über die gesamte Anlage bis nach Sparta genießen.
In Githio zelteten wir auf einem
Zeltplatz (Kronos) mit überaus hilfsbereitem Personal. Der Strand
bestand dort aus feinem Kies. Von dort aus unternahmen wir Ausflüge
zu den bekannten Wohntürmen von Mani und in die wirklich atemberaubende
Tropfsteinhöhle von Pirgos Dirou (ca. 25 DM Eintritt, für Studenten
die Hälfte). In Sechserbooten werden die Besucher 20 min. lang durch
die Höhle gefahren, wobei nichts angefasst werden sollte, zumal es
das Lenken der Gondeln erschwert. Die Eindrücke kann man nicht beschreiben.
Wir können nur sagen, dass dies nicht umsonst als das achte Weltwunder
bezeichnet wird. Nach der Bootsfahrt gehen die Besucher ohne Führung
noch 5 - 10 min. zu Fuß durch den letzten Bereich der Höhle.
Die letzten zwei Nächte verbrachten
wir bei Nafplio (Campingplatz Assini). Das Baden dort war nicht gerade
ein Vergnügen, da der Strand sehr steinig ist. Wir haben uns dort
einige Schnittwunden zugezogen. Mit festen Badelatschen sollte das aber
machbar sein. Das antike Theater Epidaurus konnten wir uns leider nicht
ansehen, da zu der Zeit gerade in allen Besichtigungsstätten des gesamten
Peloponnes gestreikt wurde. So sahen wir uns ausgiebig Nafplio an,
die erste Hauptstadt Griechenlands, die auch zugleich die schönste
Stadt des Landes sein soll. Die vielen kleinen Gassen sind wirklich toll
und von der Burg, die man sowohl zu Fuß als auch mit dem Auto erreichen
kann, hat man einen überwältigenden Blick auf die gesamte Stadt.
Am 22.07.2001 machten wir uns mittags
auf den Weg nach Korinth. Bis auf den Kanal gab es dort jedoch nicht mehr
viel zu betrachten, weil auch dort im Antiken Korinth gestreikt wurde.
Obwohl unsere Fähre erst um Mitternacht abfuhr, waren wir schon am
Nachmittag in Patras. Im Gegensatz zu Nafplio ist diese drittgrößte
Stadt Griechenlands mit seinen grauen Hochhäusern nicht gerade schön,
aber dennoch sehenswert und als Zeitvertreib allemal geeignet.
Um Mitternacht gingen wir auf die
Fähre, um 35 Stunden später den letzten Teil unserer Reise mit
dem Auto anzutreten. Wenn man die Gelegenheit hat, sich die Fähren
auszusuchen, dann würden wir immer die neue Aretousa und nicht die
alte Erotokritos aussuchen. Auf der Aretousa gibt es sogar auf Deck überall
verteilt Schlafliegen. Wenn man schnell ist und sofort auf Deck geht, hat
man vielleicht Glück und kann sich die eine oder andere erhaschen.
Wir können nur allen Peloponnesreisenden
raten, sich während des Urlaubs nicht nur auf einen Ort zu fixieren,
sondern die Halbinsel zu umfahren und an verschiedenen Orten zu übernachten,
egal ob im Zelt, Campingwagen oder Hotel. Die zahlreichen Eindrücke,
die man erhält, sind es wert. Wer sich in felsige Regionen wagt, sollte
festes Schuhwerk anhaben, da sich dort auch Schlangen und Skorpione aufhalten.
Studenten kommen mit einem gültigen Studentenausweis in sämtliche
archäologischen Besichtigungsstätten umsonst rein. Dabei muss
es nicht unbedingt der internationale Studentenausweis sein.
Die Preise für die Lebensmittel
sind mit den deutschen Preisen vergleichbar (nicht billiger). Im Lokal
sind die Preise jedoch niedriger als bei uns. Besonders die Hausweine sind
zu empfehlen, die fast jede Taverne führt.
Wir hoffen, dass unsere Tipps Lust
auf mehr gemacht haben. Über Rückmeldungen und eigene Erfahrungen
würden wir uns freuen.
Sandra
& Thomas
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